Mein Lieblingstier und der Krieg gegen Jungs

Lieblingstier – viele haben eins. Meins sind Delphine, nein: Elefanten, nein: Eichhörnchen, nein: Hühner, nein: Katzen, nein: Hunde. Ich kann mich nicht entscheiden, ich mag viele Tiere und kann mich nicht auf eine Gattung als meine Lieblinge festlegen.

In meiner Kindheit kam ich mal an einen Kinder- und Jugendkalender, der kostenlos in der Apotheke auslag. Er enthielt nicht nur einen Kalender sondern auch viele weitere Extras, wie Witze, Cartoons, kleine Geschichten und interessante Sachtexte. Einer dieser Texte zeigte eine Grafik einer glücklich lächelnden Frau, die von Tieren umgeben war. Ein Hund sprang an ihr hoch, ein Vogel saß auf ihrer Schulter und sie hatte eine Katze auf dem Arm. Um sie herum flogen ganz viele Herzen als Ausdruck der Liebe. Der dazugehörige Text erklärte, dass Tiere Frauen ganz besonders lieben würde, weil… nun, das weiß ich nicht mehr.

Der Grund, warum Tiere Frauen angeblich mehr lieben, könnte zwei Ursachen haben. Zum einen könnten die ganzen Tiere mit ihren Instinkten falsch liegen. Das war nicht die Intention des Artikels. Es läge daran, dass Männer bzw. Jungen weniger liebenswert seien.

Das war (mit) das erste Mal, dass ich mit der „Frauen-sind-besser“-Ideologie konfrontiert wurde. Wie gesagt ich liebe Tiere und ich kann mich daran deshalb so gut erinnern, weil mich dieser Text wirklich betroffen machte. Man erinnert sich besser an Dinge, wenn sie Emotionen auslösen.

Um es kurz zu machen: Dieser Text war gewalttätig. Besonders gegen Kinder, nein: Jungen. Damals war ich zu jung um darauf angemessen reagieren zu können, den Angriff auf Kinder als einen solchen zu erkennen und zu verurteilen. Dieser Text war deswegen brutal, weil er besagte, dass die Liebe zu Jungen – zu mir – weniger wert war. Das beinhaltet die Konsequenz, dass Jungen weniger geliebt werden – weil sie es so verdient haben. Es ist gewalttätig, eine solche Botschaft in Kinder reinzuprügeln, erst Recht in einer Gesellschaft, in welcher es herrschender Konsens ist, dass Frauen das empathischere, liebevollere Geschlecht seien. Jungen werden damit von Liebe abgeschnitten.

Das ist kein Einzelfall: Solche Übergriffe auf Kinder, die das männliche Geschlecht repräsentieren, sind inzwischen Alltat. Christina Hoff Sommers spricht von einem „War against Boys“, hierzulande fordert Arne Hoffmann: „Rettet unserer Söhne“. Und auch die Literaturnobelpreisträgerin Doris Lessing berichtet über eine Erfahrung, in welcher eine Lehrerin die Feind- und Kriegspropaganda gegen Jungen fuhr, Männer seien kriegsgeil. Dass der Feind den Krieg will gehört zum Standardrepertoire aufhetzender Kriegsproganda. Lessing: „Bei einem Besuch in einer Schule, in der die Lehrerin Beifall heischend erklärt habe, Kriege seien auf die angeborene Gewalttätigkeit von Männern zurückzuführen, berichtet die Schreiberin: „Da saßen die kleinen Mädchen fett, selbstgefällig und eingebildet, während die kleinen Jungs zusammengesunken waren, sich für ihre Existenz entschuldigten und dachten, dass das so ihr ganzes Leben lang weitergehen würde. Das passiert überall in den Schulen und niemand sagt ein Wort.“ In einem Artikel vom August warnen Experten: Die Schule ist bubenfeindlich.

Wie gesagt, der Dreck mit den Tieren machte mich traurig und niedergeschlagen. Nicht wütend, was vielleicht besser gewesen wäre, auch wenn Wut eines der Geistesgifte ist, welches man überwinden muss. Ich konnte nicht adäquat darauf reagieren. Kinder können sich gegen Angriffe, die Erwachsene auf sie fahren, nicht verteidigen. Was die Sache nochmal eine Qualität widerlicher macht.

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