Feminismus und Buddhismus

Die Mönche sind auch nur alte Säcke! So werden in wenigen Jahrzehnten vielleicht junge, fesche Tibeterinnen über diejenigen reden, die die Lehre zur Befreiung vermitteln. Vielleicht. Nach dem Buddha befinden wir uns in einer Phase der Degeneration, und es werden Zeiten kommen, in welchen die buddhistische Lehre nicht mehr in der Welt ist, und vielleicht kommt das auch durch den feministischen Befall der Lehre, was aber für Feministen kein größerer Verlust ist, im Gegenteil, denn Buddhismus ist: „Genauso ein patriarchaler Scheißverein wie die anderen Religionen.“

Böses über den Feminismus? Das ist erklärungsbedürftig in Zeiten, in welchen überall das Narrativ herrscht, dass wir in einem frauenunterdrückenden „Patriarchat“ leben und der Feminismus die Befreiung der Frau aus dieser Knechtschaft bedeutet – also per definitionem das Gute ist. Diese Sichtweise wird gepflegt in Ignoranz der Tatsache, dass die traditionelle Rollenverteilung für den Mann zum einen genauso zwingend war wie für die Frau und zum anderen, dass die männliche Rolle mehr mit knallharter Schinderei verbunden war als mit Beine hochlegen. Um nur ein konkretes Beispiel für toxischen Feminismus herauszugreifen ein paar Sätze zum Thema „Häusliche Gewalt“ bevor ich zum Buddhismus zurückkomme. Der Propaganda zufolge ist häusliche Gewalt männlich. Und es hängt ein Riesenapparat daran, diese Propaganda zu verbreiten und allein Frauen Hilfe zu bieten. Tatsächlich aber verhält es sich anders: Frauen schlagen genauso oft wie Männer zu und bei Gewalt, Mord und Totschlag gegen Kinder sind sie öfter Täter, ganz ohne, dass breite Hasskampagnen gefahren werden, denen zufolge der gefährlichste Ort für eine Kind bei seiner Mutter ist. Eine der ersten, die darauf aufmerksam wurde, war Erin Pizzey. Für ihre Erkenntnis wurde sie aus der Frauenbewegung „ausgeschlossen“:

…die Mitbegründerin des ersten Frauenhauses der Welt problematisierte später, dass das Thema „häusliche Gewalt“ von Feministinnen gekapert wurde und wies daraufhin, dass aktuellen Studien zufolge die Hälfte der Opfer männlich sei. Sie konnte keine öffentlichen Reden mehr halten, ohne von Frauenrechtlerinnen niedergeschrien zu werden, und wurde das Opfer von Telefonterror sowie Morddrohungen gegen sie und Mitglieder ihrer Familie. Jemand schoss auf ihr Haus und brachte ihren Hund um. Schließlich flüchtete sie aus England nach New Mexico.

…Feministinnen setzen mit Gewalt durch, dass Gewalt männlich ist…

Also: Damals schon hätten es Feministinnen wissen können. Wissen, dass nicht allein Männer für Not und Gewalt in den Familien verantwortlich sind. Das aber hätte bedeutet, dass man ein heißgeliebtes Feindbild hätte aufgeben müssen. Nach der feministischen Theorie leben wir in einer männlichen Gewaltherrschaft und häusliche Gewalt ist nur ein Symptom davon. Wenn jetzt Frauen genauso gewalttätig sind, lässt sich die These vom „Patriarchat“ nicht halten. Das Tabuisieren weiblicher Gewalt aber – und das wäre zum Lachen, wenn die Konsequenzen für die Opfer nicht so schlimm wären – führt dazu, dass die wahren Machtverhältnisse genau umgekehrt liegen: Sie hat die Macht. Die Macht zuzuschlagen, Kinder und Männer zu misshandeln, ohne dass irgendeiner eingreift und ohne, dass die Opfer Hoffnung auf Schutz haben, während eine misshandelte Frau den Frauen-notruf wählen kann.

In unserer Gesellschaft erleiden Jungen wie Männer große Nachteile, dennoch kann sich eine Frau an der Macht wie Ursula von der Leyen hinstellen und erklären, was sie allein für Mädchen und Frauen zu tun gedenkt, ohne dass solch ganz alltägliche Misandrie Aufstehen erregen würde.

Zurück zum Buddhismus. Hier bin ich ehrlich in der Bredouille, denn man soll nicht schlecht über seine Lehrer reden, denn sie lehren einem die Befreiung aus dem Leiden, was unermesslich wertvoll ist. Wenn man also einen Fehler bei einem Lehrer wahrnimmt, soll man darüber den Mantel des Schweigens ausbreiten. Allerdings kann man ja auch über die Lehren debattieren, soll es so gar. Außerdem halte ich den Feminismus für wirklich gefährlich für den Buddhismus.

Derzeit höre ich – mit Gewinn – die Unterweisungen der ersten weiblichen Geshe der Welt – Kelsang Wangmo. Ja, das triggert, nicht wahr? Weil ja Frauen jahrtausendelang unterdrückt waren, durften sie keine Geshes und Kanalarbeiter werden. Dieselbe Haltung teilt sie wohl auch. Sie berichtet dabei bemerkenswertes.

Zum einen, und davon höre ich jetzt zum wiederholten Male, dass die Frauen in Tibet sich selbst nicht als unterdrückt erleben und auch nur wenig Motivation zeigen, es den Männern gleich zu tun und zum Beispiel den Buddhismus studieren, und das obwohl sie von seiner Heiligkeit dem Dalai Lama selbst dazu angehalten werden. Als er aus Tibet floh, wurde er mit dem Konzept der Gleichberechtigung bekannt gemacht, übernahm das und gab es entsprechend weiter unter anderem mit der Aufforderung, dass nun auch die Frauen den Buddhismus studieren sollten. Allerdings reagierten die Frauen und Nonnen in Tibet nicht so, wie man es in einem frauenunterdrückenden „Patriarchat“ erwarten müsste. Es war kein Befreiungsschlag, kein weiblich-kollektives: „Endlich!!!“ Die Reaktionen fielen verhalten aus: „Studieren? Warum?“ Man kann wirklich nicht davon sprechen, dass sich die Tibeterinnen geknechtet fühlen, aber vielleicht kommt das noch, wenn das feministische Gift wirkt.

Denn die erste Geshe der Welt kommt aus dem Westen und dementsprechend hat sie den Feminismus im Gepäck. Heißt, sie verkündet den Mönchen und Nonnen, dass Frauen gleichberechtigt sind. Und hier sind wir bei dem Fehler.

Es sind eben nur Frauen gleichberechtigt – es gibt eben nur den Frauen-notruf. Wenn eine Feministin so redet, betrachtet sie nur eine Seite der Medaille. Wenn eine Feministin so redet, dann denkt sie nicht daran, die Gesellschaft besser zu machen, in dem Sinne, dass Jungen seltener als Kindersoldaten missbraucht werden. Dass Jungen seltener Kinderarbeit leisten. Dass Männer seltener obdachlos sind. Dass Männer seltener bei der Arbeit ums Leben kommen oder schwer geschädigt werden. Dass sich Männer seltener dass Leben nehmen. Dass Männer nicht im Krieg verheizt werden. All dies – und mehr – wären Punkte auf der feministischen Agenda, wenn sie mehrheitlich Mädchen und Frauen betreffen würden. So rum aber interessieren sie nicht. Gleichberechtigung – aber nur für Frauen!

Wir leben unter einer feministischen Käseglocke, die alles ausblendet, was gegen die Theorie vom privilegierten Mann spricht und die des weiteren Notlagen auf Seiten der Männer unsichtbar macht. Und weil man so kein Bewusstsein hat für männliche Problemlagen, kann eine andere wohlhabende Buddhistin stolz verkünden, was ihre Stiftung alles für Mädchen tut. Ich sehe das etwas anders. Ich finde es fragwürdig, Kinder in Not von Hilfe auszuschließen weil sie nicht dem richtigen Geschlecht angehören.

Die Geshe berichtet also, dass sie bei den Tibeterinnen mit ihrer Botschaft – Frauen sind gleichberechtigt – nicht sonderlich erfolgreich ist. Die Frauen vermuten, dass sie ihnen die Mönche schlechtreden will. Das will sie sicherlich nicht. Aber die Tibeterinnen ahnen was mit Feingefühl. Denn die Sichtweise „Gleichberechtigung – allein für Frauen“ ist ja nicht nur männerfeindlich in dem Sinne, dass sie Männer in Notlagen allein lässt, sie transportiert desweiteren die Botschaft, dass Männer bevorzugt seien, dass sie patriarchal-frauenfeindlich seien und sich auf Grund von Privilegien zu Unrecht in ihrer Position befänden. Eine Anklage also, und das hat was mit Aggression, Abwertung und Angriff zu tun. So berichtet der „Deutschlandfunk“ über die erste Geshe der Welt und bemüht dabei das Bild des „Patriarchats“, welches Tibeterinnen benachteilige. Fett mitten im Text steht was von der „männlich dominierten Hierarchie“ im Buddhismus. Das ist nicht freundlich und wohlwollend, das ist massiv offensiv und abwertend – und das ist es, was die Tibeterinnen vermutlich spüren. Denn wenn etwas männlich dominiert ist – zum Beispiel die Müllabfuhr – kann es nur schlecht sein, denn das Männliche ist inhärent schlecht, ach was: böse. Dieselbe Rede findet man umgekehrt nicht. Dass Erziehung, in welcher man den kleinen Jungs einredet, sie seien privilegierte Frauenunterdrücker und Kriegstreiber, weiblich dominiert ist, wird nicht als Problem erkannt (bemerkenswert übrigens, dass die weibliche Dominanz in der Erziehung niemals als Ursache gesellschaftlicher Verhältnisse herangezogen wird). Das heißt, hier wird mit der Rede von der männlichen Dominanz Anfeindungen gegen Männer, gegen die Mönche transportiert, eine subtile Form von Hass, und Hass ist eines der Geistesgifte, welches zu Leid führt. Damit steht Feminismus diametral dem Buddhismus entgegen, welcher die Befreiung von den Leidenschaften wie Hass lehrt. Eine Übernahme der westlichen Geschlechterperspektive bedeutet seine Degeneration.

Doris Lessing erkannte, dass Männerhass so sehr und so tief in unsere Kultur eingedrungen ist, dass er so sehr Alltag ist, dass er gar nicht mehr auffällt. Die Agenda und Parole: „Frauen sind gleichberechtigt“ ist männerfeindlich, wie ich gezeigt habe. Uns fällt das aber gar nicht mehr auf. Tibeterinnen aber ahnen es und lehnen es ab. Noch.

Ein Kommentar zu „Feminismus und Buddhismus

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