Mitgefühl mit lauten Jungs

Buben sind zum Kotzen – so „20 Minuten“ ganz charmant – Hach, was haben wir gelacht! Man stelle sich diesen „Scherz“ mit getauschten Geschlechtern vor – ich glaube nicht, dass das in unserer Gesellschaft möglich wäre. Bei Jungen hingegen – da sie das männliche Geschlecht repräsentieren – heißt es: Feuer frei!

Jüngst kam und ging der von Gunnar Kunz ins Leben gerufene „Empathy-Gap-Day“ – weitgehend unbeachtet von der breiten Öffentlichkeit. „Empathie“ bezeichnet laut Wikipedia: „… die Fähigkeit und Bereitschaft, Empfindungen, Emotionen, Gedanken, Motive und Persönlichkeitsmerkmale einer anderen Person zu erkennen, zu verstehen und nachzuempfinden.“ Wer gerne Wortklauberei betreibt, könnte hierzu anmerken, dass das Nachempfinden eines anderen Seelenlage noch nicht gleichbedeutend ist mit dem Wunsch, dass es dem anderen auch gut geht – wie es das Beispiel des Folterknechts zeigt. Genau darauf aber zielt die Benennung des „Gender-Empathy-Gap“-Tages ab: Dass der allgemeine Wunsch, Männer mögen nicht leiden, zu schwach ausgeprägt ist – neben dem Unvermögen überhaupt zu erkennen, dass es ihnen im Vergleich zu Frauen nicht so gut geht, wie es der Begriff des „Patriarchats“ nahelegt – was sich schon daran zeigt, dass Männer die Mehrheit der Obdachlosen, Suizidierten und entsorgten Eltern ausmachen. Ausdruck mangelnder Empathie findet sich zum Beispiel in der Floskel, dass sich unter den Opfern eines Unglücks auch Frauen und Kinder“ befänden. Dies bedeutet, dass man den Tod von Männern als nicht so tragisch ansieht. Im Grunde fehlt nur noch, dass ein frauenfreundlicher Journalist anmerkt, dass sich unter den Opfern eines solchen Unglücks zum Glück „nur“ Männer befänden. Nicht ganz so drastisch aber ähnlich gelagert liegt der Fall bei dem Massaker von Srebrenica. Hier wurden männliche Teenager und Männer ermordet. Was in der Berichterstattung regelmäßig untergeht, ist die Geschlechtszugehörigkeit der Opfer, diese wird unsichtbar gemacht, zum Beispiel indem man geschlechtsneutral von ermordeten „Muslimen“ oder „Zivilisten“ spricht. Dies ist der Grund, warum der Tag des Empathy-Gaps der 11. Juli ist, denn dies ist der Jahrestag dieses Massakers – Du wirst vermutlich nichts von ihm gehört haben, es betrifft nur den größten Massenmord auf europäischen Boden seit Ende des zweiten Weltkriegs, also kein Grund darüber zu berichten oder gar eine Schweigeminute im Bundestag abzuhalten. Es waren nur Männer.

Noch nicht Männer, „nur“ Jungen sind derzeit die größte Gruppe , die im Schulbetrieb abgehängt wird. Dies ist aber nicht die einzige Schieflage zu Lasten der Jungen, so stellen sie wie erwachsene Männer später ebenfalls die Mehrheit der Suizidalen und sind auch besonders von Gewalt betroffen: Mit Ausnahme von Kinderhandel sind sie öfter Gewaltformen ausgesetzt wie Tötung, Missbrauch als Kindersoldaten, Kinderarbeit und generell Gewalt. Eigentlich ein Grund, Jungen mitfühlend beizustehen, möchte man meinen.

Im Buddhismus bezeichnet „Mitgefühl“ den Wunsch, ein fühlendes Wesen möge nicht leiden. Das ist nicht nur eine Randnotiz, sondern eine ganz große Nummer in dieser Religion. Ohne Mitgefühl keine Erleuchtung, keine Befreiung aus dem Kreislauf des Leidens, also das eigentliche Ziel eines jeden Buddhisten. Mitgefühl ist sowas wie eine „Schlüsselqualifikation“ zur Befreiung. Der Buddha Avalokiteshvara hatte ein so großes Mitgefühl mit allen Wesen hatte, dass er sich vornahm, alle diese fühlenden Wesen zu befreien. Sie alle sollten vor ihm ins Nirvana – die Befreiung – eingehen, erst dann wollte er selbst erleuchtet werden. Nun, wie Du sehen kannst, ging sein Plan nicht auf. Zwar ist er (in manchen Kulturen: sie) zum Buddha geworden, allerdings ohne zuvor alle anderen zur Erleuchtung zu führen. Das lag an seinem Mitgefühl, weil er so mitfühlend war, wurde er erleuchtet.

Dabei soll man ähnlich wie in der Lehre Jesu selbst mit dem Feind noch Mitgefühl üben. Männer sind die Feinde der Feministinnen, denn sie sind an der Macht und unterdrücken die Frauen, wenn sie sich nicht gerade umbringen, und die Jungen von heute sind die Männer von morgen. Und so führen Feministinnen ihren Geschlechterkrieg bereits gegen die Jungen, welche aber noch Kinder sind, und Angriffe gegen Kinder im Krieg sind eigentlich Kriegsverbrechen nach den Genfer Konventionen: „Jungen werden in der Schule im Stich gelassen, weil jeder Versuch, ihnen zu helfen, den Zorn von Feministinnen erregt“.„Buben sind zum Kotzen“ heißt es und ähnliches denken sich wohl Feministinnen. Solche beispielsweise, die als Schuldirektorinnen lauten, vor Bewegungsdrang strotzenden Buben das Bolzen auf Pausenhof verbieten. Denn damit nehmen die Jungs zuviel Raum ein – ganz wie die Männer später – und drängen die armen Mädchen an den Rand, die dort ihrer eigenen Pausenbeschäftigung nachgehen, nämlich ihre sozialen Kompetenzen mit Small-Talk zu trainieren. Dass damit auch gleichzeitig der Minderheit der ebenfalls bolzenwollenden Mädchen selbiges verboten wird, lässt man dabei nonchalant unter den Tisch fallen, und das in Zeiten, in welchen Fußballerinnen nach gleichen Lohn verlangen – Du hast es bestimmt mitbekommen, denn im Gegensatz zu Srebrenica wird darüber berichtet. Jungen sind anders, sie dürfen es aber nicht sein in Zeiten von Gender Mainstreaming. Es darf nicht sein, dass sie einen stärkeren Bewegungsdrang als Mädchen haben, dass sie mehr Probleme damit haben, still da zu sitzen und zuzuhören. Dass sie lauter sind. Das macht sie anstrengender – ich rede aus eigener Erfahrung – aber als Kindergärtnerin oder Lehrerin sollte man damit umgehen können, wenn man sich für so einen Beruf entschieden hat.